Unterstützung Region Shehba, Rojava

07.02.2019

Mitte Januar 2018 hat die Türkei den lange befürchteten Angriff auf die rund 2000 km² grosse Region Afrin gestartet. Allein am ersten Tag waren 72 türkische Kampfjets an den Angriffen beteiligt. Zu den Bodentruppen der türkischen Armee gehören nicht nur die mit ihr verbündeten islamistischen syrischen Milizen (u.a. ehemalige Al-Qaida und IS Kämpfer), sondern auch türkische Soldaten, beispielsweise in deutschen Panzern sitzend.

 

Angriff auf das Flüchtlingslager Robar, 10 Kilometer südöstlich von Afrin - Jan. 2018

 

Aus dem Nato-Kommando kam bislang kein Stopp-Signal, kein Einspruch, nicht einmal Kritik, nur Schweigen - dort wird unglaublich grosse Rücksicht auf das Nato-Mitgliedsland Türkei genommen. Auch aus der EU und der Schweiz ist nur wenig Kritik an der Invasion des Nato-Bündnispartners in Afrin zu hören. Zu gross ist offenbar die Angst, den türkischen Herrscher, der sich neuerdings in der Tradition der osmanischen Sultane sieht, zu verärgern. Erdogan droht seit langem und offensichtlich erfolgreich damit, die Grenzen für syrische und afghanische Kriegsflüchtlinge in Richtung Europa zu öffnen.

 

Die gleichnamige Region Afrin wurde am 18. März 2018 von türkischen Truppen eingenommen. Die kurdischen Flüchtlinge aus dem Gebiet leben noch immer in provisorischen Camps im Niemandsland zwischen Aleppo und Afrin in der sogenannten "Shahba Region". Diese Menschen sind seit März 2018 von der Außenwelt abgeschnitten. Ihre humanitäre Lage ist katastrophal. Bis zu 250.000 Menschen mussten damals aus der Region Afrin fliehen.

 

Eingeschränkte Bewegungsfreiheit, hohe Bestechungsgelder

 

Auch das UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) berichtet, dass die Bewegungsfreiheit der Vertriebenen aus der Region Afrin stark eingeschränkt sei. Personen, die in ihre Häuser zurückkehren wollten, würden nicht durch die von der türkischen Armee oder ihren Verbündeten kontrollierten Checkpoints durchgelassen. Auch können Personen nicht frei in die durch die syrische Regierung kontrollierten Gebiete fliehen. Tausende von Personen haben laut Augenzeug*innen die durch die Regierung kontrollierten Städte wie Aleppo erreichen wollen. Aber die staatlichen Checkpoints, die den Zugang kontrollierten, hätten bis zu 500‘000 syrische Pfund (rund 1000 US-Dollar) für eine freie Passage verlangt.

Situation in der Region Shehba

 

Ende 2018 waren in der Region Shehba immer noch etwa 100’000 Menschen zwischen den türkischen und islamistischen Gruppen in Afrin und dem syrischen Regime eingekesselt. Mehrere Flüchtlingslager (Berxwedan, Serdam, Veger, Efrîn und Şehbayê) wurden notdürftig eingerichtet, ein Teil der Menschen fand in verlassenen Dörfern Unterschlupf. Kleinere Gesundheitszentren wurden eingerichtet, so auch das Spital in Fafeen. Diese werden mehrheitlich von Ärzt*innen des ehemaligen Krankenhauses in Afrin betrieben (Gesundheitsrat).

 

Im Winter 2018/2019 kam es in der Region zu starken Niederschlägen, was die Lebensbedingungen der Menschen zusätzlich erschwerte. Es fehlt an Heizungen, Sanitären Anlagen und die "Kanalisation" in den Lager wird meist oberirdisch geführt. Zahlreiche medizinische Probleme sind darauf zurückzuführen.

 

Angst vor einem zweiten Afrin

 

Nebst der aktuell dringend nötigen finanziellen Unterstützung werden vor allem politische Massnahmen gefordert, die den Schutz der Menschen und ihre sichere Rückkehr nach Afrin garantieren. Leider ist es aktuell keine Frage mehr ob, sondern wann der nächste Überfall des türkischen Militärs auf Rojava/ Nord-Syriens beginnen wird. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan kündigte im Dezember 2018 an, in kürzester Zeit eine Militäroffensive gegen die Selbstverwaltungsgebiete in Nordsyrien zu starten. Am Montag, dem 17.12.18, erklärte er die Vorbereitungen der türkischen Armee für abgeschlossen und drohte, die Offensive sei nur noch eine Frage der Zeit.

 

 

Gleichzeitig sagt die aussenpolitische Kommission des Ständerats am 01.02.2019 mit 5 zu 0 Stimmen bei 5 Enthaltung Ja zum Freihandelsabkommen mit der Türkei (Medienmitteilung AKP-SR). Das Freihandelsabkommen würde die Bedingung enthalten, dass der Vertrag unter anderem auf der Achtung der Menschenrechte beruhe (NAU vom 02.02.2019).

 

Unterstützt die Menschen in Shehba (Rojava)

 

Nach der Unterstützung für das Spital in Fafin (Fafeen) im Sommer 2018 konnten wir Ende 2018/ Anfangs 2019 insgesamt SFr. 39'000.- in die Region Shehba transferieren. Davon werden 5'000.- werden für die medizinischen Eirichtung verwendet, der Rest wird für Infrastrukturbauten in den Flüchtlingslager eingesetzt. Grossen Dank an die Menschen vom "Klassik im Dachstock", Kapitel und all den Helfer*innen vom Zaffaraya Fest 2018.

 

Zeigen wir uns solidarisch – Spenden (Vermerk ROJ) an:

 

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