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Dokumentation OpenEyes

30.01.2016

Mitte Oktober 2015 ist Open Eyes Balkanroute mit einem 3,5-Tonnen- Transporter auf der so genannten Balkanroute präsent. Der Lastwagen ist ausgestattet mit einer mobilen Küche, einer autarken Stromversorgung zum Aufladen von Handys und einer mobilen WiFi- Station sowie einer Heizung und Tischen für die Verteilung von Hilfsgütern. 

 

Verschiedene Teams reisen seitdem im Wechsel zur mobilen Küche, dem Mittelpunkt unserer Unterstützungsstruktur. Auf der Insel Samos kocht die Gruppe ab Dezember 2015 bis zu 2000 Mahlzeiten am Tag, in Athen mehrere hundert. Weitere Standorte sind in Planung.

 

 

Open Eyes Balkanroute

 

Unsere Aktivist_innen kommen aus verschiedensten Kontexten und bringen sehr unterschiedliche Fähigkeiten und Motivationen mit. Jugendliche unter 18 Jahren treffen auf Aktivist_innen bis über das Rentenalter hinaus. Mehrheitlich stammen die Beteiligten aus dem Raum Bern. Einige machen sich jedoch auch aus anderen Schweizer Städten auf den Weg, um an der allwöchentlichen Organisations- Sitzung teilzunehmen oder bringen sich von ihrem Wohnort aus in das Projekt ein. Einige engagieren sich seit längerer Zeit in der Thematik. Für andere ist es das erste Mal, dass sie sich politisch engagieren. Der Austausch innerhalb der Gruppe, die Selbstermächtigung und das Übernehmen von Verantwortung sind wichtige Aspekte des Projektes.

 

Kurzvorstellung des Projektes

 

Bei Open Eyes Balkanroute verstehen wir uns nicht als rein karitative Hilfsorganisation, sondern als Teil einer politischen Bewegung. Die humanitäre Notlage auf der Balkanroute werten wir als direkte Folge der menschenverachtenden Abschottungspolitik der europäischen Staaten. Mangels sicherer, legaler Fluchtrouten werden Hunderttausende Menschen gezwungen, die lebensgefährliche Überfahrt über das Meer und den beschwerlichen Weg zu Fuss über die Balkanroute auf sich zu nehmen.

 

Unser Handeln basiert auf der Solidarität und auf der Unterstützung der Rechte auf Bewegungsfreiheit und freie Wahl der Niederlassung, unabhängig von Herkunft, Identität und Beweggründen. Wegen der rassistischen Segregationspolitik, welche die Menschen in "gute" und "schlechte, in "wahre" und "falsche" Geflüchtete unterteilt, verschärft sich die Lage derjenigen, die nicht aus anerkannten Kriegsgebieten wie Syrien, Irak und Afghanistan stammen. Die entsetzlichen Konsequenzen beobachten wir während unserer Tätigkeit Tag für Tag.

 

Vor diesem Hintergrund entschieden wir uns, unsere Unterstützung auf die angeblich «falschen» Schutzsuchenden zu konzentrieren. Auf der griechischen Insel Samos nahmen wir uns eines Camps an, das Menschen beherbergt, die keine Unterstützung von offizieller Seite erfahren. Täglich versorgen wir mit der mobilen Küche bis zu 2000 Menschen mit einer warmen Mahlzeit. Dafür geben wir momentan rund 15’000 Franken pro Monat aus. Mit ein wenig Musik, Spiel und Unterhaltung versuchen wir zudem, den grauen Alltag mit Farbe zu füllen. Unsere Solidarität ist dabei nicht an Gegenleistungen oder Bedingungen geknüpft. Wir möchten die Geflüchteten in unsere Strukturen miteinbeziehen und einander auf Augenhöhe begegnen.

Konkrete Projekte

 

Das Hauptaugenmerk unserer Arbeit liegt momentan auf der Insel Samos, wo wir seit An- fang November präsent sind. Zudem hat sich eine Struktur in Athen gebildet und auch in Calais, Trieste, Ljubljana und Dimitrovgrad waren/sind Aktivist_innen von Open Eyes Balkanroute vor Ort. Abhängig von den finanziellen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, werden wir weitere Standpunkt fest in unsere Aktivitäten integrieren können.

OpenEyes Balkanroute auf der Insel Samos

 

Auf der rund zwei Kilometer vom türkischen Festland entfernten Insel Samos kommen (nach Lesbos) die meisten flüchtenden Menschen an. Die Zahl der Ankommenden schwankt täglich. Im Oktober 2015 haben jeden Tag zwischen 800 und 1000 Flüchtende Samos erreicht, im Januar 2016 sind es zwischen 300 und 400 Personen. Auf Samos angekommen werden die flüchtenden Menschen von MSF und einheimischen Frauen empfangen, welche erste medizinische Unterstützung leisten und trockene Kleider verteilen.

 

Die Hafenpolizei unterteilt die Ankommenden nach ihrer Staatszugehörigkeit. Die syrischen Flüchtenden werden am Hafen von Vathy in einem provisorischen Camp untergebracht. Dort warten sie in der Regel fünf bis zehn Tage auf ihre Registrierung und eine Bewilligung für den 30-tägigen Aufenthalt in Griechenland; diese ermöglicht die Weiterreise nach Athen.

 

Die Flüchtenden aller anderen Nationalitäten werden in einem Camp auf einem Hügel ausserhalb der Stadt Vathy untergebracht. Das Camp-Gebäude ist ein ehemaliges, auf 250 Personen ausgerichtetes Gefängnis. Zurzeit befinden sich aber meist mehr als 1000 Personen dort, darunter viele Kinder und alte Menschen.

 

Die Mehrheit, der in diesem Camp untergebrachten Flüchtenden ist darauf angewiesen, ihre Campingzelte auf dem Asphaltboden oder im Hain um das Camp herum zu errichten. Bei stärkeren Regenfällen werden die Zelte den Hang hinuntergespült. In diesem Camp warten die Menschen durchschnittlich ein bis zwei Wochen auf ihre Registrierung und die zur Weiterreise erforderlichen Dokumente.

 

was wir genau machen

 

Die Flüchtenden auf der Insel Samos erhalten von der griechischen Behörde keine Nahrungsmittel. Open Eyes Balkanroute erfuhr Anfang November von dieser furchtbaren Situation und machte sich auf, die einheimischen Frauen, die bereits für die Ankommenden kochten, zu unterstützen und die Nahrungssicherheit auf Samos zu erhöhen. Aktuell sind jeweils zehn bis zwölf Personen unserer Gruppe auf Samos aktiv. Sie kochen täglich bis zu 2000 Portionen Suppe und bringen diese zu den Menschen im Camp auf dem Hügel.

 

OpenEyes pflegt mit allen Akteuren eine sehr gute Zusammenarbeit. Die Gemeindeverwaltung hat uns gegenüber mehrmals kommuniziert, dass sie auf unsere Arbeit angewiesen sei. Es sei nicht klar, wie die Menschen in den Camps ohne Open Eyes Balkanroute mit einem warmen Abendessen versorgt werden könnten.

 

Gekocht wird auf einem Privatgelände gegenüber des Hafens von Samos, welches uns bis Ende März zur Verfügung gestellt wurde. Zutaten für die Suppe und Plastikgeschirr können direkt auf der Insel gekauft werden. Durch Informationsarbeit und Vernetzung versuchen wir, die Ausgaben so tief wie möglich zu halten. Infrastruktur und Kochgeräte wurden grösstenteils aus der Schweiz mitgebracht. Zwei grosse Kochtöpfe haben uns die griechischen Frauen gespendet.

 

 

Die Trennung aufheben

 

Es ist uns ein Anliegen, eng mit den Ankommenden zusammenzuarbeiten und einer Trennung zwischen flüchtenden und helfenden Menschen soweit möglich entgegenzuwirken. Bei der abendlichen Ausgabe der Suppe im Camp auf dem Hügel entsteht ein reger Austausch zwischen allen anwesenden Menschen. Die Flüchtenden helfen bei der Ausgabe der Suppe. Unsere Aktivist_innen und die Flüchtenden essen gemeinsam. Nach dem Essen wird oftmals mit den Kindern gespielt und zu Musik aus aller Welt getanzt. So entstehen schöne und auch entspannende Momente in einer für die flüchtenden Menschen äußerst schwierigen Situation.

OpenEyes Balkanroute in Athen

 

Unsere Aktivist_innen vernetzten sich in Athen mit anderen Unterstützungsstrukturen und klärten ab, wie weit die Unterstützung von Open Eyes Balkanroute auch in Athen eingebracht werden kann. Auffällig sei insbesondere, dass junge Maghrebiner_innen in üblem Ausmass vom Staat diskriminiert werden. Während Menschen anderer Nationalitäten zunehmend einigermassen würdige Unterkünfte zur Verfügung gestellt bekommen, werden Maghrebiner_innen mehr oder weniger kollektiv als «Bedrohung der öffentlichen Sicherheit» eingestuft und entsprechend behandelt.

 

Wohnprojekte

 

Eine international gemischte Gruppe von Menschen will so rasch wie möglich neuen Wohnraum für gestrandete Geflüchtete schaffen. Eineige unserer Aktivist_innen beteiligen sich zur Zeit an den Vorbereitungsarbeiten.

 

Kochen

 

Soweit es unsere personellen Kapazitäten zulassen, kochen wir auch in Athen täglich rund 300 Portionen unserer bewährten Gemüsesuppe für die Leute auf dem Viktoriaplatz.

 

 

Recherchen

 

Unsere Aktivist_innen haben alle Camps und Sammelpunkte für Geflüchteten sowie das letzte Woche wieder in Betrieb genommene Ausschaffungsgefängnis in Korinth besucht. 

 

Vom 12. bis 19. Dezember sind 263 Personen, vorwiegend aus Marokko stammend, in Ko-rinth inhaftiert worden. Viele weitere werden gemäss den Gefängniswächtern folgen. Da die Inhaftierten meist noch über eine gültige Aufenthaltsbewilligung verfügen, ist das Vor- gehen der griechischen Behörden juristisch weder korrekt noch haltbar. Gemeinsam mit Aktivist_innen aus Athen hofft Open Eyes Balkanroute dazu beitragen zu können, dass die Missstände publik werden.

Unser Ziel ist es , die Kosten wenn möglich vorzufinanzieren. Zur Zeit belaufen sie sich pro Monat auf rund Fr. 20’000.00. Die Aktivist_innen von Open Eyes Balkanroute bezahlen ihre Reise und Aufenthalt selber.

 

Manifest

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