Covid-19 bedroht griechische Flüchtlingslager

27.04.2020

 

Alle Welt redet von «social distancing» – in den griechischen Flüchtlinscamps ist das nicht einmal eine Illusion. Die Corona-Krise bedeutet für die Geflüchteten ein Ausnahmezustand auf dem Ausnahmezustand.

 

Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos beispielsweise wurde für 3000 Geflüchtete eingerichtet, mittlerweile hausen dort 20 000 Menschen. Aufgrund der inhumanen Zustände in den Lagern sind sie besonders gefährdet, sich mit dem Virus anzustecken. Abgesehen von den «herkömmlichen» Risikogruppen, wie chronisch Kranke, Ältere oder Schwangere, gehören wegen der Mangelernährung und der schlechten hygienischen Bedingungen auch viele, eigentlich gesunde, junge Leute zur Risikogruppe.

 

Alle gemeinsam leben sie zusammengepfercht in den Camps, die Abstand- und Hygieneregeln einzuhalten oder Menschen, die krank sind oder Krankheitssymptome aufweisen zu isolieren, ist absolut unmöglich.

 

Zusätzlich verschärft hat sich die Situation, weil Nichtregierungsorganisationen inzwischen kaum mehr Zugang haben zu den Camps. Ausser dem medizinischen Personal der Internationalen Organisation für Migration IOM darf die Camps inzwischen niemand mehr betreten. Deshalb versucht die Organisation Medical Volunteers International die Geflüchteten via Telemedizin wenigstens zu beraten und allenfalls Medikamente zu organisieren. Zudem versucht sie, Geflüchtete beim Zugang zu medizinischer Versorgung zu unterstützen. Wie sie das tut und an wen sie sich wendet, hänge vom jeweiligen Status der geflüchteten Person ab. Während anerkannte Geflüchtete und Asylsuchende grundsätzlich Zugang zum griechischen Gesundheitssystem haben, erhalten Geflüchtete ohne Status nur bei NGOs medizinische Hilfe.

 

Mit der Abschottung der Camps in Griechenland wird es für Nichtregierungsorganisationen immer schwieriger, Geflüchtete, welche medizinische Hilfe brauchen, überhaupt zu erreichen. Dabei gehöre der Zugang zu Gesundheit zu den grundlegenden Menschenrechten. Rechtlich stehe diese Abschottung der Lager somit auf sehr dünnem Eis, kritisiert die Organisation Equal Rights Beyond Borders. Für die griechische Regierung allerdings bedeute sie eine sehr willkommene Testphase. Ein neues Gesetz sei bereits in der Pipeline, welches die Bewegungsfreiheit und die Camps noch stärker einschränken und absperren will.

 

Die Ursachen für die Gesetzesverschärfungen und inhumanen Zustände in Griechenland sind allerdings bei weitem nicht nur hausgemacht. Seit vielen Jahren amtet Griechenland quasi als europäisches Schutzschild gegen Geflüchtete. Während das Land seit Jahren zig tausende Geflüchtete versorgt, streiten sich die EU-Länder ebenfalls seit Jahren um eine bessere Verteilung der Geflüchteten auf die europäischen Länder. Kürzlich haben einzelne EU-Länder und die Schweiz angekündigt, insgesamt rund 1600 Jugendliche aus den griechischen Camps zu evakuieren. Mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein ist das nicht, wenn man bedenkt, dass aktuell alleine auf den drei griechischen Inseln Lesbos, Samos und Chios rund 40 000 Menschen gestrandet sind.

 

Im Rahmen der Online-Diskussionsrunde über die fehlenden Zugänge zum Gesundheitssystem in den griechischen Flüchtlingscamps der Organisation OpenEyes Balkanroute waren sich die Teilnehmenden somit einig: Die einzige Chance, im Kampf gegen das Corona-Virus in den Flüchtlingslagern, ist deren Evakuierung.

 

RaBe vom 25.04.2020

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