Soli@Home /// Projekte

02.04.2020

Sowohl in der Türkei als auch in Griechenland und in den Balkanstaaten leben zehntausende Geflüchtete in absolut unzumutbaren Zuständen. Um solidarische Projekte vor Ort finanziell zu unterstützen, hat OpenEyes die Initiative «Soli@Home» ins Leben gerufen. «Soli», weil Künstler*innen einen digitalen Beitrag zur Verfügung stellen und du als Hörer*in/ Zuschauer*in gebeten bist, einen Teil des Geldes, das du aktuell nicht am Konzert oder im Restaurant ausgeben kannst, für die von OpenEyes unterstützen Projekte zu spenden. Wir werden die eingehenden Spenden nach Bedarf und Dringlichkeit aufteilen. Danke für deine Unterstützung! Jeder Beitrag verändert die prekäre Lebensrealität von Menschen, die auf ihrer Flucht mit dem brutalen Abwehrregime Europas konfrontiert sind.

 

Das Coronavirus legt den Alltag vielerorts – auch in Westeuropa – lahm. Der Bundesrat ruft dazu auf, wenn möglich zu Hause zu bleiben, unnötige soziale Kontakte zu vermeiden sowie sich regelmässig und gründlich die Hände zu waschen. Diese im Prinzip simplen Handlungsanweisungen zu befolgen, ist für viele Menschen durch ihre Wohn- und Lebensbedingungen in Flüchtlingslagern und anderen Behelfsunterkünften schlicht unmöglich: Sowohl in der Türkei als auch in Griechenland und in den Balkanstaaten leben zehntausende Geflüchtete in absolut unzumutbaren Zuständen. 

 

Nachdem der türkische Präsident Erdoğan Ende Februar 2020 angekündigt hatte, die Grenze nach Europa sei offen, steckten in den Tagen und Wochen Anfang März 2020 tausende Menschen an der türkisch-griechischen Grenze fest. Vor ihnen Europa, wo Griechenland im Namen aller europäischen Staaten mit äusserster Gewalt antwortete und die Brutalisierung des Grenzschutzes demonstrierte: Tränengas und sogar scharfe Munition wurden eingesetzt – mindestens ein junger Mann, Muhammad al-Arab, wurde erschossen (siehe Recherche von Forensic Architecture). Wer es trotzdem über die Grenze schaffte, wurde entweder verhaftet und in Schnellverfahren ohne Rechtsvertretung zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt oder einfach über die Grenze in die Türkei zurückgeschoben. In beiden Fällen ist das Stellen eines Asylgesuchs nicht möglich, denn Griechenland hat das Recht auf Asyl am 1. März 2020 ausgesetzt und nimmt mindestens einen Monat lang keine Anträge auf internationalen Schutz entgegen. Hinter ihnen die türkischen Sicherheitskräfte, welche die Menschen aus der Grenzregion nicht mehr zurück ins Landesinnere reisen liessen. Also sassen die Geflüchteten in einem improvisierten Lager in der Nähe des Grenzüberganges Pazarkule fest. Die türkische Regierung hat die Grenze nach wieder neu begonnenen Verhandlungen mit Vertreter*innen von EU-Staaten auch auf der türkischen Seite wieder geschlossen – den wenigen Berichten zufolge, die uns aktuell aus dem weitgehend unzugänglich gemachten Gebiet erreichen, wurde das Camp mittlerweile geräumt und die Geflüchteten wurden zurück ins Landesinnere transportiert. Einige haben jedoch ihr ganzes Hab und Gut verkauft, um nach der Ankündigung Erdoğans, die Grenze sei geöffnet, die Weiterreise nach Europa antreten zu können – diese Personen stehen jetzt vor dem Nichts. Ohne Dach über dem Kopf, ohne Ort, an den sie zurückkehren könnten und ohne jegliche finanzielle Mittel harrten einige Menschen am Busbahnhof in Istanbul aus, wo Halkların Köprüsü als Sofortmassnahme Essen an die Betroffenen verteilte.

 

Auch auf den griechischen Ägäis-Inseln spitzt sich die Situation weiter zu – besonders im Lager Moria auf Lesbos, dem grössten Flüchtlingslager Europas. Insgesamt leben in den sogenannten Hotspots fast 40’000 Menschen dicht gedrängt und unter hygienisch katastrophalen Bedingungen. Im Wissen darum, dass COVID-19 sich hier nicht nur rasant ausbreiten, sondern wahrscheinlich auch besonders viele Todesopfer fordern würde, fordern viele politische Organisationen und NGOs – darunter Ärzte ohne Grenzen – die sofortige Evakuierung der Flüchtlingslager. Stattdessen werden die Lager abgeriegelt, der Zutritt von aussen untersagt und gleichzeitig «besondere Angebote» wie Schulen oder Bibliotheken geschlossen. Auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos oder Kos fehlt es an auch nur ansatzweise ausreichender medizinischer Versorgung, am Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Anlagen, Hygieneartikeln oder Desinfektionsmittel, fehlt es an adäquater Versorgung mit Lebensmitteln und insbesondere auch an Platz. Diese Missstände werden durch den Ausbruch der Corona-Pandemie noch verschärft – die Zustände waren aber auch vor März 2020 unhaltbar. Die in den Lagern eingeschlossenen Menschen werden jeden Tag Opfer der menschenverachtenden Abschottungspolitik der europäischen Staaten – diese Menschen sind nicht «vergessen», sondern sie werden von der Politik bewusst in diesen Zuständen zurückgelassen. Die Evakuierung der Lager ist bisher nicht an mangelnden Kapazitäten oder nicht vorhandenen Ressourcen gescheitert, sondern allein am fehlenden politischen Willen der europäischen Staaten. Nehmen wir nicht nur diese Zustände nicht einfach hin, sondern auch nicht die Politik, welche diese Zustände schafft und aufrechterhält. Bleiben wir sichtbar – bleiben wir laut – unterstützen wir die Unterstützer*innen vor Ort.

Finanzielle Unterstützung, da wo sie gebraucht wird!

Halkların Köprüsü  

 

Unterstützung von Geflüchteten in der Türkei

 

Halkların Köprüsü (Brückenschlag zwischen den Völkern) ist eine NGO in der Türkei, die sich für die Rechte von Geflüchteten einsetzt. Halkların Köprüsü betreibt Sozialzentren, die als Orte der Begegnung und der Vernetzung dienen. Dort führen die Aktivist*innen Rechtsberatungen durch und vermitteln wenn möglich Unterkünfte an bedürftige Personen. Auch im Zusammenhang mit den aktuellen Entwicklungen in der Türkei, insbesondere an der türkisch-griechischen Grenze, gehören sie zu den wenigen regierungsunabhängigen Organisationen, die sich – so gut wie möglich auch direkt vor Ort – für die Rechte und die Versorgung der Betroffenen einsetzt.

 

 

Halkların Köprüsü war in der Nacht vom 6. März 2020 mit zuvor gesammelten Spenden nach Edirne gereist. Die vorgängigen Abklärungen hatten ergeben, dass in der Grenzregion insbesondere Lebensmittel und Wasser, Babynahrung, Windeln und andere Hygieneartikel, Kleidung und Kinderschuhe gebraucht wurden. Die Spenden wurden vom Reisebus aus direkt an die Geflüchteten verteilt, bis die Polizei eingriff und Halkların Köprüsü aufforderte, die Waren an das anerkannte Hilfswerk AFAD oder den Roten Halbmond zu übergeben. Es musste ein neuer Ausgabeort gefunden werden – letztlich konnten alle Hilfsgüter auf einem Feldweg zwischen Karaağaç und der Grenze verteilt werden. (Vollständiger Bericht auf Türkisch und auf Englisch)

 

Zudem teilte uns eine Aktivistin mit, dass Halkların Köprüsü, solange Geflüchtete am Istanbuler Busbahnhof ausharren mussten, täglich 50 bis 100 Mahlzeigen verteilt hat. Familien, die aus dem Camp am Grenzübergang Pazarkule ins Landesinnere zurückgekehrt resp. zur Rückkehr gezwungen worden waren und nun keine Unterkunft mehr haben, versucht Halkların Köprüsü Wohnungen zu vermitteln. In vielen dieser Fälle muss die Miete in einer Anfangsphase von Halkların Köprüsü übernommen werden. Halkların Köprüsü wird weiterhin auf die Bedürfnisse der betroffenen Menschen reagieren und diese – wo immer möglich – mit den nötigsten Gütern unterstützen. Unterstützen wir Halkların Köprüsü!

The Lava Project

 

eine Wäscherei auf Lesbos

 

Das Lava Project ist eine Wäscherei für das Moria-Camp auf Lesbos. Obwohl das Lager nur für rund 3'000 Menschen ausgerichtet ist, harren aktuell in und um Moria rund 20'000 Menschen aus – oft stecken die Betroffenen über Monate oder sogar Jahre hinweg in dem überfüllten Camp fest und warten auf die Behandlung ihrer Asylgesuche. Neben ungenügender Unterbringung, ungenügender sanitärer Infrastruktur, fehlender Versorgung mit ausreichend sauberem Wasser und Nahrungsmitteln, fehlt es auch an einer Waschmöglichkeit für Kleider und andere Textilien. Dies trägt weiter zu den gegebenen unhygienischen Bedingungen bei, welche die Verbreitung von Krankheiten befeuern. In genau dieser Lücke agiert das Lava Project.

 

 

Die Aktivist*innen des im Juni 2019 gegründeten Lava Projects waschen monatlich 1'400 Säcke voller Wäsche – insbesondere von Müttern und ihren Babys, unbegleiteten Minderjährigen, jungen Frauen und Medizinalwäsche. Ist die Kapazität erst einmal ausgebaut, kann das Volumen auf 3'500 bis 4'000 Säcke gesteigert werden. Hierzu fehlen dem Lava Project monatlich ca. 3'000 Franken. Leisten wir einen Beitrag an die grundlegende Versorgung der Betroffenen in Moria.

NoNationTruck

 

mobile und flexible humanitäre Hilfe in Krisenregionen

 

Der NoNationTruck soll ab Sommer 2020 auf den serbisch/bosnischen Fluchtrouten rollen und dort warmes Essen verteilen, Raum für medizinische Notversorgung bieten und mit einem Stromversorgungssystem ausreichend Energie generieren, um ca. 50 Mobiltelefone aufzuladen. Der Siebentonnen-LKW befindet sich aktuell im Umbau.

 

Bereits abgeschlossen sind der Bau der Dachfenster, Seitenfenster, Seitentür, Abbau der Ladebordwand, Außenwanddämmung, die Dachdämmung, die Kofferraumklappen und die Möbel für den Innenausbau. Im nächsten Schritt geht es um die Decken- und Bodendämmung, das Verlegen der Elektrik und die Hintertür. In den nächsten Wochen werden folgende Kosten auf das noch junge Projekt zukommen: Gasherdfläche für 200 Portionen pro Tag (800 Euro), 
Gasanlage und Gasflaschen (420 Euro), Grossküchenabwaschbecken (250 Euro), Wasserpumpe 24v (80 Euro), Frisch- und Abwasserschläuche sowie Anschlüsse (70 Euro), 100l Kühlschrank (250 Euro), Stromleitungen und Licht (100 Euro), Hängeschränke (500 Euro), Regale (80 Euro), Küchenzeile (400 Euro), Lüftung (50 Euro). Insgesamt sind das 3'000 Euro – leisten wir einen Beitrag.

OpenEyes sammelt aktuell Spenden für diese drei Organisationen, die hier aufgeführt sind. Wir werden die eingehenden Spenden nach Bedarf und Dringlichkeit aufteilen.

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